Wir brauchen eine neue Wissenschaft!

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Diplomphysiker Friedrich Jacob sieht Bedarf nach neuer Methodik und neuem Instrumentarium. Vortrag im Botnanger Literaturkeller.

Friedrich_Jacob150In seinem atmosphärisch dichten Vortrag mit dem Thema "Brauchen wir eine neue Wissenschaft?"   schilderte der Physiker Friedrich Jacob, daß sich die Naturwissenschaft seit Descartes (um 1600) ausschließlich mit der Untersuchung messbarer und zählbarer Dinge befasst. Denn es hatte sich die Ansicht entwickelt, dass nur der materialistische Bestandteil der  Wirklichkeit Anspruch hat, von der Wissenschaft als bestehend anerkannt zu werden.

Er benannte die hohe Dogmatik gängiger Wissenschaftspraxis, die Abweichler mit dem Bannstrahl der "Unwissenschaftlichkeit" brandmarkte und dadurch von dringend benötigten Forschungsgeldern  ausschlösse. Dabei handele es sich oft um Themen, die nicht "unwissenschaftlich", sondern lediglich "außerwissenschaftlich" seien.

So führte der Physiker aus, dass viele Bereiche, die früher außerhalb der Reichweite der Wissenschaft waren, inzwischen untersucht werden können, dank der Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten. Bereiche werden zunehmend erschlossen, die zuvor unsichtbar ("okkult") waren. Dabei betonte Jacob, dass es seiner Überzeugung nach nichts "Übernatürliches" gibt, sondern alles was ist, sich im Rahmen von Naturgesetzen abspielt. Wissenschaft erstrebt- entgegen landläufiger Auffassung - keine Wahrheitsfindung, sondern untersucht lediglich die "Brauchbarkeit" von Annahmen und Theorien. Wissenschaften befassen sich nur mit wissenschaftlichem Wissen, nach Heidegger liefert Wissenschaft  Gewißheit und nicht Wahrheit. Gewißheit bedeutet: die Abwendung von Unentschiedenheit und Zweifel, „Wissenschaft  ist also ein psychologischer Zustand. Wahrheit bezieht sich hingegen auf objektive Tatbestände“, so der Physiker.

Jacob kritisierte die mittelmäßige Wissenschaftspraxis, Aussagen über fachfremde Bereiche zu tätigen. "Seriöse Wissenschaftler schweigen in Bereichen, von denen sie nichts verstehen." Diese inkompetenten Verlautbarungen würden in der öffentlichen Wahrnehmung den Anschein von Wissenschaftlichkeit erzielen, seien aber in Wirklichkeit unwissenschaftlich .

Er erinnerte ausserdem daran, dass sich Naturwissenschaft und Religion nicht widersprechen müssten, wenn beide einer einzig möglichen Wahrheit verpflichtet wären.

Der Physiker führte einen Zusammenhang aus, der ihm besonders am Herzen liege: Von der Wirkung des Feineren. Anhand verschiedener empirischer Beispiele stellte er die Macht vor, die Wasser über Stein, winzigste Bakterien über starke Menschen oder feinste elektrische Ströme über Muskelbewegungen haben – oder wie Luft ganze Schiffe zerstören kann, wenn sie zum Orkan wird, und hinter dieser Kraft der feinen Luft die Macht des noch feineren Lichts der Sonne steht.

Friedrich Jacob stellt die Forderung nach neuen Methoden und neuen Instrumenten, um die Reichweite der Wissenschaft zu erhöhen und dann auch Bereiche abzudecken, die einer längst fälligen Klärung bedürfen, weil sie derzeit unter Schwärmerei und Scharlatanerie leiden. Eine mögliche Methode wäre die systematische Nutzung von Intuition, einer Quelle, der wir alle bedeutsamen Ideen und Errungenschaft zu verdanken hätten. Nur das Zusammenspiel von   strenger Logik und Intuition  könne Grundlage  einer weiterführenden, neuen Wissenschaft sein.

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